Die abgefallene Johanna – Teil 1.

Mandy Babangida sitzt mit gespreizten Beinen und in der Fussstange eingehakten Absätzen auf einem stark mitgenommenen Lederhocker in der fast leeren Rangers Bar. Sie betrachtet sich und das Treiben in ihrem Rücken in der Spiegelwand mit dem integrierten Flaschengestell. Die schummrige Beleuchtung verleiht ihrem Ebenbild eine ungewohnte Sanftheit. Mandy, 52 Jahre alt, trägt eine hautenge schwarze Hose mit Glanzeffekt und eine tief ausgeschnittene schwarze Seidenbluse. Ihr kinnlanges auberginenrotes Haar ist sorgfältig toupiert und mit reichlich Haarspray ruhiggestellt. Auf ihren Lippen und dem vor ihr stehenden Cüpliglas klebt eine dicke Schicht rosa Lippenglanz. Es ist 19 Uhr. Aus dem Radio dudelt Countrymusik.

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Mandy Babangida erblickte als Johanna Guggenbühler unter dem Kreuz Jesu in der schlecht geheizten Schlafstube des Bruderhofs das Licht der Welt. Und es war ein helles Licht, denn die Guggenbühlers waren Mitglieder einer konservativen Freikirchengemeinde. Johannas Vorfahren gehörten zu den Gründervätern dieser frommen Gemeinschaft. Sie liessen sich im Verlaufe des 18. Jahrhunderts in dem damals noch kleinen Weiler am nördlichen Jurasüdfuss nieder. Seither wuchs der Weiler synchron mit seinen Bewohnern zu einem anständigen Dorfe heran. Es entstand eine Kirche, ein Dorfplatz samt Brunnen, eine Schule, eine Molkerei und eine Feuerwehr. Aus der Ferne betrachtet, ein ganz normales Dorf. Blickte man jedoch etwas genauer hin würde man schnell bemerken, dass die Bewohner des anständigen Dorfes am nördlichen Jurasüdfuss sich von ganz normalen Dorfbewohnern deutlich abheben. Nicht nur moralisch, sondern auch äusserlich. Die weiblichen Gemeindemitglieder tragen Röcke und Schürzen, beides fraglos nicht zu kurz. Die Haare sind entweder zu zwei einheitlichen Zöpfen geflochten oder unter einem Haarnetz gefangen. Das Tragen von Hosen oder kurzen Haaren ist den Frauen verboten, es wird für unsittlich gehalten. Oberlippenbärte sind, seit dem grossen Schnauzstreit welcher die Gemeinde zu Beginn des 20. Jahrhunderts zu entzweien drohte, für alle tabu.

Im anständigen Dorfe am nördlichen Jurasüdfuss wird häufig gebetet. Immer sonntags um 10.30 Uhr im Gottesdienst. Dann täglich vor jeder Mahlzeit, vor dem Einschlafen, nach dem Aufstehen, wenn die Kuh nicht kalbert, der Teig zum Gehen auf der Ofenbank liegt oder der erste Schnee nicht fällt. Es gibt immer einen Grund zum Beten. Und wenn das Kalb dann kommt, der Teig aus der Schüssel quillt und der erste Schnee fällt, dann wird dem Herrn dafür gedankt. Es wird gebetet und gedankt, dazwischen gelernt, geputzt und gesungen. So wächst man dann heran in einer gottverbundenen Gemeinschaft ohne Internet und Mobiltelefon. Es gibt nur wenige Möglichkeiten vor der Ausschulung mit dem Geschehen ausserhalb der frommen Gemeinde in Verbindung zu treten. Eine davon wäre, sich durch einen gewagten Sprung vom Dachboden einen Arm oder ein Bein zu brechen. Auf diese Weise landete man garantiert im Spital der nächstgelegenen Stadt.

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Johanna verhielt sich bereits im Mutterleib anders als die fünf Geschwister vor ihr und, wie man erst später feststellte, die sechs nach ihr. Sie reagierte weder auf den beseelten Singsang der Mutter, noch auf deren inbrünstigen sonntäglichen Lobpreis. Es war, als hätte Johanna die Vorgänge ausserhalb der Fruchtwasserblase genauestens observiert und für nicht relevant befunden. Dieses Verhalten sollte sich auch nach der Geburt nicht ändern. Sofort nach ihrem ersten Schrei kehrte Johanna wieder in sich selbst zurück und legte mit der Verweigerung der Mutterbrust den Grundstein für ihre zukünftige Unabhängigkeit. Alle Bemühungen Johanna direkt an der Quelle zu nähren scheiterten genauso kläglich, wie diejenigen, sie später auf dem Weg des Herrn zu behalten.

Warum wurde aus Johanna Mandy? Und warum fiel sie vom Glauben ab? Hat es etwas mit der verweigerten Mutterbrust zu tun? Auf wen wartet Mandy in der Rangers Bar? Wird sie noch ein weiteres Cüpli trinken? Wie lange wird ihre Frisur halten? Erfahre mehr im zweiten Teil. 

Fortsetzung folgt …

Wassermann.

Geld
Hören Sie auf danach zu suchen, davon werden Sie auch nicht reicher. Wenn keins auf der Bank, unter Ihrer Matratze oder auf der Strasse liegt, dann schauen Sie doch mal bei Ihrer Liebsten aufs Konto. Wird dort ein positiver Saldo angezeigt, dann wissen Sie ja was Sie zu tun haben. Frauen und Alleinstehende akzeptieren ihre monetäre Schwäche. Daran wird sich auch heuer nichts ändern.

Gesundheit
Die angefressenen Festtags-Pfunde verschwinden nicht von alleine, hören Sie auf sich zu belügen! Auch die Sterne können hier nichts für Sie ausrichten. Kaufen Sie sich im Ausverkauf irgendeine Sportausrüstung, benutzen Sie sie einmal und stellen Sie diese dann in Ihren Schrank. Dies wird Ihr Gewissen beruhigen.

Geschlechtsverkehr
Wassermännern der ersten Dekade mangelt es an ausreichend Stehvermögen. Geborenen der zweiten und dritten Dekade steht das Wasser bis zum Halse, höchste Zeit ein wenig Dampf abzulassen. Ihre Liebste teilt Ihr Verlangen nicht? Hören Sie auf zu betteln und gehen Sie zu einer Prostituierten. Frauen und Alleinstehende bleiben weiterhin geduldig.