Bügellift ins Nirwana.

Namaste, ich bin wieder da. Schweren Herzens habe ich die illusionäre Wohlfühlblase meines Pyjama-Retreat verlassen und das luftige Baumwollkleid gegen dicke Wollpullover und noch dickere Wollschals eingetauscht. Und die pinken Yogakätzchen-Flipflops mussten robustem Winterschuhwerk weichen. Das Erlebte soll mir jedoch noch lange in Erinnerung bleiben. Im Vana-Retreat ist jeder Tag ein Pyjama-Tag. Manchmal morgens, wenn ich so ganz Eins mit mir selbst in meinen beigen Zweiteiler schlüpfte, fühlte ich mich wieder wie klein Susan die sonntags im Bett herumlungern durfte, während Mutter Aprikosenwähe buk und Gemüsesuppe kochte. Es waren wunderbare Tage. Auch in Indien. Ich traf grossartige Menschen aus aller Welt, redete mit einem spirituellen Fitnesstrainer über Glauben und den Zustand meiner Seele, liess mir von einem indischen Figaro mittels Dreirundbürstentechnik perfekte Hollywood-Locken föhnen, bestaunte Affen mit rosigen Hintern und riesigen Hoden vom Schwimmbecken aus, schmauste zur ohrenbetäubenden Musik einer rajasthanischen Volksmusikgruppe ayurvedisch, staunte in einem Vortrag über traditionelle chinesische Medizin und glänzte am creative writing workshop eines mässig erfolgreichen irischen Schriftstellers. Ich habe beschlossen nächstes Jahr wieder hinzufahren. Dann für etwas länger vielleicht.

Zudem lud letzte Woche der Betriebsleiter des Skilifts, an welchem ich bald mein Unwesen treibe, zur Instruktion ein. Jetzt kenne ich alle Kniffe für ein gekonntes Skiliftbügelgeben und habe Einblick über Nutzen und Gefahren von Überfahrsicherungen. Ferner verfüge ich über die neu erlernte Fähigkeit mit dem Feldtelefon den Skilift zu starten. Es war ein spannender Tag, geprägt von Freiluft-Abenteuer und Skilift-Romantik. Nur schon die frühmorgendliche Hinfahrt in das auf 1’500 m ü.M. gelegene Selital schuf ein unvergessliches Erlebnis. So durchbrach ich oberhalb von Riffenmatt die meterdicke Nebeldecke und tauchte auf in einer schneefreien, jedoch nicht minder spektakulären Winterlandschaft. Strahlender Sonnenschein fiel auf mit Reif glasierte Tannen und Wiesen, in der Ferne lugte der obere Drittel des Guggisbergs aus dem Nebelmeer. Selten zuvor erlebte ich ein solch erhabener Augenblick von Freiheit.

Und obwohl ich noch meilenweit von einer Endreinkarnation entfernt bin, so habe ich doch nun zumindest eine vage Idee davon, wie es denn so sein sollte mein Nirwana.

An english piece.

Don’t go near the water, we can look at it from here.
No need to get close, it’s dangerous my dear.

Don’t go near the water, there’s just mud and rot.
I’ve seen it myself, I’ve been there a lot.

Don’t go near the water, there’s nothing to see.
It’s just a dark hole, please stay here with me.

Don’t go near the water, the demons might wake.
You’ll never find back, your soul is at stake.

Don’t go near the water, it’s already late.
The shore is not safe, don’t tempt your own fate.

Don’t go near the water, you said, but I did not hear.
I decided to dive, without you my dear.

 

Dieses kleine Schmuckstück entstand während meines Schreib- und Pijama-Retreats in Dehradun. Es war plötzlich da. Grammatikalisch vielleicht nicht ganz perfekt, trotzdem mag ich es sehr. 100 % made in India.