Ich schiess auf eure Gummi-Teile.

Schwäne, Einhörner, Enten, Donuts, Kaktusse, Palmeninseln, Gummiboote, Kayaks, SUP-Boards, Matratzen, Kissen, LKW-Reifen, ja ganze Wohnzimmer und Gartensitzplätze inklusive Sonnendach. Noch nie sah ich so viel personenbeförderndes Schwimmplastik auf der Aare vorbeiziehen wie in diesem Sommer!

Ich versuche herauszufinden, wie viele solcher Schwimmhilfen an einem Rekord-Sommertag wie diesem die Aare einnehmen. Weder die Seepolizei noch der regionale Bootsvermieter wagen eine Zahl zu nennen. Dann finde ich einen Zeitungsartikel aus dem Jahr 2015. Dort steht, dass der Betreiber der Pumpstation in Thun an einem Spitzentag bis zu 300 Boote aufbläst. Doch eine Freundin von mir hat heuer bei der Jaberg-Brücke innerhalb von 6 Minuten ganze 145 vorbeiziehende Schwimmteile gezählt. Kapitäne und Passagiere nicht berücksichtigt. Die gute Nachricht: Es gibt nur einen Toten pro Jahr.

Und weil man sich ab 2020 ganz legal während der Aarefahrt abschädeln darf, habe ich mir vor Kurzem einen Daniel Düsentrieb angelacht, der mit mir einen aufblasbaren Hochkapazität-Kühlschrank erfindet.

Mir gefällt es nicht, dass massenhaft Leute die Natur als ihren Wochenend-Spielplatz missbrauchen. Auch ich verbringe meine Zeit gerne auf Flüssen, Seen, im Wald und in den Bergen. Nur versuche ich mich der Natur gegenüber respektvoll zu verhalten. Ich hinterlasse keine leeren Bierkartons, Einweg-Grills, Feuchttücher, Bierdeckel, Büchsen, Kondome, Plastiksäcke, Cervelat-Verpackungen oder gar lecke Gummiboote. Ich nehme meinen Müll wieder mit. Und ich beschalle weder Berge, Gewässer noch meine Mitmenschen ungefragt mit zu viel Dezibel. Die einzigen Geräusche die ich erzeuge, sind natürlicher Herkunft und absolut Bio.

Ich werde mir nächsten Sommer ein Luftgewehr kaufen und mich auf die Lauer legen. Sei achtsam, sonst schiess ich auf dein Gummi-Teil.

Anruf an mein Ich.

Ja, hallo, hier ist dein ich.

Oh! Du da? Das gibts doch nicht!
Hast du Zeit, darf ich kurz stören,
kannst du mich denn auch gut hören?
Ich hätte da drum ein paar Fragen.
Hach, wie soll ich’s dir nur sagen?
Es tut mir auf der Seele brennen
und anstatt in die Wand zu rennen,
dacht ich mir ich ruf dich an,
vielleicht gehst du ja heute ran.

Bist du das Ich welches mich führt,
bestimmt was wann mein Herz berührt,
mich ärgert und zum Lachen bringt,
mich stärkt und in die Knie zwingt,
die Worte in den Mund mir legt,
mir ständig die Gedanken dreht?
Hältst du, mein Ich, mich in der Hand?
Fährst du den Karren an die Wand?
Bis du allein, mein einzig Ich?
Jetzt mal ehrlich, liebst du mich?

Hallo? He! Bist du noch dran?
Ich hör dich nicht, mir wird ganz bang!
Hast du klammheimlich aufgehängt,
unsere Verbindung abgeklemmt?
He! Du, mein Ich, das geht so nicht,
ich finde dich grad widerlich!
Wie soll ich denn ein Ich ertragen,
das sich drückt vor meinen Fragen?
Ich ruf dich später nochmals an,
und wehe dir, du gehst nicht ran.