Öü, lovely!

Es ist Sonntag. Ich sitze im The Belle Isle in Portsmouth und blicke durch die offene Fensterfront auf ein belebtes Strässchen. Peoplewatching. Ich mag das. Und es gibt so einiges zu sehen, denn die Engländer sind bunt. Es ist ein liebevoller Blick, welchen ich auf diese Menschen und ihr Land werfe. Ich war ihm schon immer sehr zugetan, diesem verrückten Königreich im Norden. Ja, Grossbritannien hat es mir angetan. Sicherlich ist meine Zuneigung genetisch bedingt. Meine Grossmutter war Schottin. Sie hiess McNaughten und lebte in Edinburgh bevor mein Grossvater sie vor vielen Jahren in die Schweiz geholt hatte. Ihre Vorfahren waren Mitglieder des MacNeachdain Clans. Zogen diese in die Schlacht, brüllten sie „die mit Heidekraut bedeckte Insel!“ (The Island of Fraoch!). Auch meine Grossmutter war eine Kriegerin. Stark, mutig und beschützerisch. Ich habe sie sehr geliebt, meine verrückte schottische Näni. Doch dies ist eine andere Geschichte. Dieser Beitrag hier handelt von meiner Liebe zu Grossbritannien. Denn diese Liebe wurde neu entfacht, als ich vor ein paar Tagen meinen Fuss nach langer Zeit wieder einmal auf britischen Boden setzte.

Dazu kam es, weil mein Clan zu Ehren meiner Tante nach England flog um ihren 80-igsten Geburtstag zu zelebrieren. Meine Tante lebt seit über 50 Jahren hier und ist durch und durch eine britische Lady. Ihre Körperhaltung ist ein wenig steif, die Frisur perfekt geföhnt, sie trägt Lippenstift in einem blassroten Farbton, ist kultiviert und ein wenig introvertiert. Ganz das Gegenteil zum Rest meiner Familie. Aber auch dies ist eine andere Geschichte. Meine Tante trägt biedere Kleider wie sie ältere Ladies in England tragen und spricht so distinguiert, wie ältere Ladies in England sprechen. Öü, that’s lovely. Sie lebt in einem typischen englischen Einfamilienhäuschen aus rotem Ziegelstein, welches in etwa der Grösse einer Zündholzschachtel entspricht. Trotzdem hat es zwei Etagen und einen schmalen Garten mit einem winzigen Gartenhäuschen für den Rasenmäher. Im Wohnzimmer prangt eine geblümte Polstergruppe mit Sesseln, aus welchen man nie mehr aufstehen möchte. Es gibt auch einen kleinen Esstisch und ein Buffet mit Glastüren, in welchem Gläser, Nippes und die Bilder der Familie Platz finden. Im Schlafzimmer steht nebst Bett und Schrank ein antikes Schminktischchen und im Gästezimmer gibt es genügend Platz für ein schmales Einzelbett. Eine Türklingel gibt es nicht. Dieses Häuschen ist das Letzte von 6 weiteren, identischen Zündholzschachteln am Pavillion Way. Ein perfektes Zuhause für eine alleinstehende britische Lady.

Doch nicht alle Frauen in England sind Ladies, geschweige denn sind alle Männer Gentlemen. Zum Glück, denn sonst würde England versteifen und daran würde meine Liebe zerbrechen. Ich mag den Mix. Also auch den ordinären Engländer. Diesen, meist stark tätowierten Menschen, welcher mit Stolz seinen sehr untrainierten, sonnenverbrannten Bauch ohne Bedeckung spazieren führt. Diese in ein viel zu enges Etwas gezwängten Rundungen. Ich mag das Bodenständige, einfach so einfach zu sein. Das Unschöne. Und ich liebe den einzigartigen, schwarzen Humor, welcher über die Klassen hinweg lebt.

Meine kleine England-Reise geht nun noch weiter auf die Kanalinseln. Guernsey und Jersey. Da wollte ich schon immer mal hin. In Jersey werde ich mir dann ein Offshore-Konto eröffnen und zukünftig Steuern hinterziehen. Mit dem so Ersparten kaufe ich einen Austin Healy 3000 und Aktien von Nestle, deren Dividende ich mir dann in Form von Shreddies auszahlen lasse. Nein, nicht die flatulenzenfilternde Unterwäsche, die Frühstückscerealien natürlich!

 

 

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