Die Ehe ist kein Wurstsalat.

Okey, ja, ich wollte mich doch eigentlich für diesen Sommer verabschieden. Gemeinsam mit meiner schöpferischen Musse. Die verliess mich, als die Anzeige auf dem Thermometer auf 26 Grad anstieg. Ohne ein Winken. Sie nahm auch grosse Teile meines Intellektes mit. Aber Heute ist etwas passiert, was mich völlig unerwartet zum Denken anregte. Aber nun mal von Anfang an.

Manchmal, wenn ich zu faul bin für eine lange Wanderung oder das Gefühl habe, ich müsse meine Kondition ans Limit pushen, dann laufe ich auf die Engstligenalp. Nein, nicht Rennen, einfach schnelles Gehen. Der Weg dorthin ist nicht sehr weit aber sehr steil. Dafür kann man auf der Höhe des Wasserfalls gratis den klebrigen Schweiss abduschen. Während der Sommermonate ist die Engstligen (welche gemäss Einheimischen nur für die Mutigen sei) ein Pilgerort für Menschen aller Art. Dicke und Asiaten fahren mit der Bahn hoch. Bei der Bergstation gibt es einen Defibrillator. Oben angekommen erfreut man sich eines wunderbaren Hochplateaus mit schönen Blumenwiesen und auch der Kälbchen, Geisslein und Esel, welche sich friedlich unter die Spaziergänger mischen. Ein kleines Idyll. Heile Welt. Es gibt zwei Berghäuser und in einem davon mache ich nun heute eine Mittagspause. Ich mag Mittagspausen an Orten, wo sich Menschen aller Art treffen. Da gibt es viel zu beobachten. Die Dicken essen Speckrösti und Bananensplit, die Dünnen essen nichts. Die Senioren geben sich Kaffee und Kuchen hin und die vermeintlich sportlichen schlucken grosse Biere weg.

Da sitze ich also vor meinem Rivella hellblau, den Blick verträumt auf den Wildstrubel gerichtet, als sich ein älteres Päärchen nähert und sich, nach meiner Einwilligung, zu mir setzt. Die anderen Tische sind zwar auch nicht voll besetzt aber ich habe eben diese einladende Ausstrahlung. Normalerweise komme ich auch ins Gespräch mit Leuten die sich zu mir setzen. Heute nicht. So lausche ich der Konversation (ins Hochdeutsche adaptiert):

Sie: „Setz dich doch hier hin.“
Er: „Nein, ich möchte dort sitzen.“
Sie: „Okey, dann stelle ich den Rucksack hierhin.“

Sie setzen sich hin.

Er: „Was nimmst du?“
Sie: „Ich schwanke zwischen Röschtitätschli mit Salat und Flammkuchen. Und du?“
Er: „Ich nehme den Wurst-Käse-Salat.“
Sie: „Wurst ist aber nicht gesund!“
Er: —– (Schweigen)
Sie: „Aber wenn du Lust hast, dann nimm doch den Wurst-Käse-Salat. Was möchtest du trinken?“
Er: —— (Schweigen)
Sie: „Ich denke, wir nehmen einen Liter Wasser.“
Er: „Das ist zu teuer, ich nehme eine kleine Apfelschorle.“
Sie: —— (Schweigen)

Dann kommt die Serviertochter. Die Frau bestellt Flammkuchen und zwei Gläser Leitungswasser. Der Mann bestellt Wurst-Käse-Salat und Apfelschorle. Der Tisch nebenan wird frei.

Sie: „Schau, die gehen, komm wir setzen uns dorthin.“
Er: „Ach, ich denke der füllt sich jetzt sofort wieder.“
Sie: „Ja, mit uns.“

Ich musste weg. Und zwar schnell. Ohne Winken, wie meine Musse. Weiteres Lauschen hätte ich nicht verkraftet. Ich rannte zur Bahn, prallte unterwegs gegen Kühe und Geisslein und Menschen aller Art – die Esel waren zum Glück beschäftigt – und schaffte es mit einem wagemutigen Sprung in die bereits losfahrende Gondel. Auf dem Heimweg dachte ich dann über die Ehe nach. Und über Zweisamkeit. Und ich bin noch nicht am Ende mit dem Denken. Es ist verzwickt. Einzig weiss ich, dass es nur wenige Dinge gibt, die ich nicht gerne alleine mache: Trinken, betrunken philosophieren, Kunststücke auf dem SUP, Sex, über Leute herziehen, in Restaurants Abendessen, Grillieren und über lange Strecken Autofahren. Ich werde später noch ein wenig mehr darüber nachdenken. Jetzt mach ich mir einen Wurstsalat. Mit extrem viel Wurst!