Doggystyle im Furttal.

Ich bin kein Kind der Berge, vielmehr eines aus dem Unterland. In einem kleinen Dorf im Furttal besuchte ich als kurzhaariger und von Akne geplagter Teenager die Oberstufe und schaffte es sogar in die Sekundarschule. Meine ersten abenteuerliche Erfahrungen mit dem anderen Geschlecht fielen auch in diese Zeit. Meine Schulkameraden nannten mich liebevoll Nasenbär und fanden mein Lachen unausstehlich. Trotzdem blieb ich dem Furttal bis zur Rückkehr aus meinen Sprachaufenthalten treu. Dann zog ich aus um grosse Städte und weitere kleine Täler zu erkunden. Ich wanderte vom Reusstal nach Altstetten, weiter nach Birmensdorf nur um irgendwann später erneut im Furttal zu landen.

Otelfingen ist eines der im Furttal gelegenen Dörfer. Früher bekannt als Standort der Jelmoli-Verteilzentrale und des Tenniscenters Otelfit, nennt man es heute im selben Atemzug wie den Migros-Golfpark, für dessen Bau so einige Magerwiesen und Gemüsefelder weichen mussten. Die Tentakel des Golfparks reichen zwischenzeitlich über zwei ganze Dörfer hinweg und täglich, auch bei miserablem Wetter, schlagen Normalverdiener ihre Bälle im gepflegten Grün ab.

Gemüsefelder gibt es heute immer noch, denn der Anbau von Gemüse ist ein wichtiger Pfeiler der Furttaler Wirtschaft. Je nach Saison stehen Kopfsalat, Zucchetti, Karotten, Zuckerrüben, Feder- und Rosenkohl und weiteres Grünzeugs stramm in Reih und Glied. Bewässerungsanlagen, Traktoren, Maschinen und Menschen die sich gebeugt durch das Gemüse ernten. Massenproduktion. Grosse Gewächshäuser für die Turbo-Aufzucht von Tomaten. Und als ich neulich den Hund meiner Mutter zum Spazieren ausführe, wird mein Glaube an das Gesunde im Schweizer Gemüse erschüttert. Ich überlege mir, ob ich zukünftig nicht nur auf Fleisch, sondern auch auf Gemüse vom Grossverteiler verzichten soll. Dann reisst mich eine Dame mit einem fetten Mops aus meinen veganen Gedanken. Es gibt Erklärungsbedarf, denn sie kennt wohl den Hund meiner Mutter aber nicht mich. Nach einem kurzen Schwätzchen ziehe ich weiter. Kurz darauf kommt eine weitere Hundegängerin welche mich freundlich grüsst. Später dann kreuze ich einen jungen Mann mit einer jungen Boxerhündin, und werde von einem älteren Mann ohne Hund angehalten. Alle kennen sie den wurstartigen Vierbeiner meiner Mutter. So ist das nun mal im Furttal. Man sieht viel junges Gemüse und kennt jeden Hund.