Doggystyle im Furttal.

Neulich war ich auf einem Gipfel im Berner Oberland. Der ist 2580 m hoch und fällt somit noch in die Kategorie „Anfängergipfel“. Ich bestieg ihn ohne Sauerstoff aber mit ausreichend Proviant und leicht zitternden Knien. Die Besteigung war sehr abenteuerlich, denn es galt ein paar hinterhältige Schneefelder zu überqueren. Ich bin ja kein Kind der Berge, sondern eines aus dem Unterland. Geboren in Seebach, geformt in Geroldswil und verdorben im Furttal. Dort besuchte ich als pickliger, kurzhaariger und meistens etwas weggetretener Teenager die Oberstufe und machte abenteuerliche Erfahrungen mit dem anderen Geschlecht. Mein Übername war Nasenbär, mein Lachen unausstehlich und meine Lieblingsantwort auf Fragen aller Art war „nein“ (heute wäre es vermutlich „figg di“). Ich blieb dem Furttal treu bis zur Rückkehr aus den obligaten Sprachaufenthalten in England und Frankreich. Dann zog ich wie der Blitz aus um weitere Täler zu erkunden. Ich ging ins Reusstal. Dann zog ich weiter nach Altstetten, später nach Birmensdorf. Und landete irgendwann erneut im Furttal. Der Furtbach war übrigens Namensgeber für das Furttal. Ich nenne es auch gerne mal Furztal.

Otelfingen zum Beispiel, ist eines der möglicherweise besser bekannten Dörfer im Furttal. Dort befindet sich ein Teil des Migros-Golfparks, für dessen Bau die gefühlte halbe Landwirtschaftszone weichen musste und der sich heute über zwei Dörfer erstreckt. Dafür können sich nun auch Normalverdiener eine Golfclub-Mitgliedschaft leisten und ihre Bälle kostengünstig ins Grün pfeffern. Den Golfpark gab es zu meiner Zeit noch nicht. Da waren Magerwiesen und Gemüsefelder. Die Gemüsefelder gibt es immer noch, denn der Gemüseanbau ist vermutlich ein wichtiger Pfeiler der Furttaler Wirtschaft. Als ich neulich den einer Cervelat nicht unähnlichen Hund meiner Mutter zum Morgenspaziergang ausführte, kam ich an diesen Gemüsefeldern vorbei. Kopfsalat, Zucchetti, Karotten, etc. in Hülle und Fülle. Bewässerungsanlagen, Traktoren, Menschen die sich gebeugt durch die in Reih und Glied gepflanzten Gemüse ernten. Massenproduktion. Und dann diese grossen Gewächshäuser für die Turbo-Aufzucht von Tomaten. Ich fühlte mich ein wenig ernüchtert und mein Glaube an das Gesunde im Schweizer Gemüse war erschüttert. Ich überlegte mir, ob ich zukünftig gänzlich aufs Grossverteiler-Gemüse verzichten sollte. Doch dann kam die Frau mit dem fetten, alten Mops. Und wir hielten ein Schwätzchen. Es gab Erklärungsbedarf: Sie kannte den Hund meiner Mutter aber nicht mich. Kurz darauf kam Bea „1“ mit ihrem Hündchen. Der Hund von Bea „2“ lebt nicht mehr, sonst hätte ich diese sicherlich auch angetroffen. Dann kreuzte ich den jungen Mann mit der jungen Boxerhündin. Weiter wurde ich von einem älteren Mann ohne Hund angehalten. Alle kannten sie den Hund meiner Mutter. So ist das eben im Furttal. Man kennt noch nicht jedes (junge) Gemüse aber dafür jeden Hund.

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