Heiss, heiss Baby!

Ausziehen, heisst es. Und zwar total.
Keine Hose, auch kein Schal.
Nackt, so sollt ihr alle sein.
Nackt! Sonst kommt ihr hier nicht rein.

Duschen, heisst es. Und zwar gründlich.
Einmal reicht, ihr müsst nicht stündlich.
Sauber so will ich dich sehn.
Sauber! Sonst musst wieder gehn.

Nackt und sauber, so trittst ein.
Nein, halt, stop! Mir fällt grad ein,
ein Tuch werd ich dir geben,
sonst bleibst du auf den Balken kleben.

Und ein Zweites für die Lenden,
so brauchst du dich nicht abzuwenden
wenn du kommst und wieder gehst.
Wer’s schon mal tat, ja der verstehts.

Dieses Tuch, es wird dir nützen,
dich vor meinen Blicken schützen.
Obwohl, ich bin ja schlau als Frau,
meist gar nicht hinschau so genau.

Und wenn ich es dann doch mal tu,
dann lässt es mir meist keine Ruh.
Weil es mich oft so stark erschreckt,
wenn ich es seh, ganz unbedeckt.
Es sich womöglich plötzlich reckt,
und fröhlich mir entgegenstreckt?

Ich stell mich also meistens tot.
So werde ich dann nur darum rot,
weil es heiss ist, 90 Grad,
steht da auf dem Thermostat.

Und wenn dann meine süssen Tropfen,
rhythmisch auf mein Tuche klopfen,
dann bleib ich nicht mehr lange sitzen.
Ich mag es, dieses Sauna-Schwitzen!

Springelingeling.

Es ist Frühling und ich bin überwältigt von guten Gefühlen. Jetzt, da die Vöglein fröhlich ihr Morgenlied zwitschern, Blümchen aus der Erde spriessen, Schnee sich in Sulz und Sturzbäche verwandelt und im Nachbarquartier eine Hipster-Metzgerei eröffnet, jetzt sind meine Gedanken bunt und leicht.

In der neuen Hipster-Metzgerei werden nur Tiere aus artgerechter Hipsterhaltung verarbeitet. Das Hipsterschlachtgut wird vom Hipstermetzger persönlich beim Bio-Hipster-Viehproduzenten abgeholt. Jeden Morgen fährt er mit seinem speziell entwickelten Lasten-Dreirad mit Kühlmodul zum Bio-Hipster-Viehproduzenten. Geht es bergab, flattert sein Hipsterbärtchen fröhlich im Fahrtwind. Geht es bergauf, sieht man ihm die Anstrengung kaum an. Der Hipstermetzger trägt seine Schürze immer, auch auf dem Lasten-Dreirad. Hat er dann Rinds-, Kalbs-, Schweine- und Schafhälften sicher in die Hipstermetzgerei gekarrt, werden diese liebevoll zerkleinert. Dafür verwendet er gewebeschonende Sägen, Hackbeile und grosse Messer. Diese Messer aus dreilagigem blauen Papierstahl werden von blinden japanischen Mönchen ausschliesslich für den Hipstermetzger gefertigt. Die blinden Mönche leben asketisch in einem Kloster auf einer der Ryūkyū-Inseln. Welche, bleibe hier verschwiegen. Das gesamte Werkzeug und das Lasten-Dreirad sind mit dem Logo der Hipstermetzgerei gebrandet. In der Auslage des Ladens werden die von Schwanz bis Nase liebevoll zerkleinerten Stücke hipstergerecht inszeniert: «Regula. Weiderind. Von Hand zerkleinert.» «Dolly. Lamm. Am Knochen.» «Felix. Schwein. In Scheiben.» Natürlich gibt es in der Hipstermetzgerei nicht nur Fleisch sondern auch Ketten-Öl fürs Fixie, Grooming-Artikel für den Bart und spezielle Körperpflege-Produkte aus geklärtem Schweineschmalz. Mittags werden für die hungrigen Bürolisten Hipsterburger auf dem Smoker zubereitet. Von Montag bis Freitag steht man dann an für den Beef-Lavendel-Fenchel-Pattie, den Chicken-Chillme-Schoggi-Chunky, den dirty Oink-oinker mit Sauerkraut oder den Grünerbsen-Cranberry-Spinat-Slider. Der Hipsterburger wird stilgerecht in einem wiederverwendbaren Speckpapier und mit einer kompostierbaren Serviette aus Bambus serviert. Man munkelt, in der Hipstermetzgerei würden später auch Konzerte von angesagten Indie-Bands und Poetry-Slam-Abende veranstaltet. Auch ein Flohmarkt mit blinden Mönchen sei geplant. Ich wünsche der Hipstermetzgerei viel Erfolg!