Köszönöm szépen!

Einmal im Herbst traf ich mich mit einem Ungarn. Nicht in Ungarn, nein, sondern morgens um 8 Uhr auf dem Grimselpass. Wir lernten uns im Internet kennen. Er war Geologe und zum Zeitpunkt unseres digitalen Erstkontaktes in den Walliser Alpen unterwegs. Dort hat er nach Mineralien gesucht. Eigentlich habe ich ihn nur angeklickt weil ich dachte, er sei Kanadier. Er sah einfach so kanadisch aus. Mit einem John Deer-Cap auf dem Kopf sass er hinter dem Steuer eines blauen Pickups. Damals wusste ich noch nicht, dass sich unter diesem Cap der untrügliche Beginn einer Glatze verbarg und dass er Ungar war. Sonst hätte ich ihn garantiert nicht angeklickt. Männer mit Halb-Glatzen leiden oft unter einem verminderten Selbstwertgefühl welches sie mit einem etwas übersteigerten Ego ausgleichen. Männer mit Total-Glatze sind cool! Die haben nichts mehr zu verlieren.

Der Ungar war spätnachts angekommen. Die Distanz Ungarn – Grimselpass beträgt ca. 10’000 Kilometer. Als ich ankam schlief er auf der Ladefläche seines Pickups. Neben ihm lag ein grosses Fell. Dieses hob irgendwann den Kopf und musterte mich neugierig mit den freundlichen Augen eines Leonbergers. Ich war sofort verliebt. Kurz darauf erwachte der Ungar. Auch er hatte freundliche Augen. Somit verliebte ich mich an einem schönen Tag im Spätsommer auf dem Parkplatz am Totensee gleich zweimal. Und das Morgens vor 9 Uhr.

Wir hatten sofort einen guten Draht zueinander. Alle drei. Und nach einer kurzen Begrüssungsphase zogen wir los und kletterten auf eine Bergspitze irgendwo im Obergoms. Ich glaube ich sah einen Stausee in der Ferne. Aber auf meine Erinnerungen ist kein Verlass, ich war etwas durcheinander. Wir kletterten wie wilde Bergziegen über Felsen, Steine und Geröll und es machte mir unglaublich viel Spass. Oben angekommen assen wir Bananen und Käsebrote und erzählten uns Geschichten. Der Ungar ass übrigens während der Dauer unserer späteren Liaison sehr viele Bananen. Irgendwo lag immer eine Banane herum.

Die Zeit auf dem Berg verging wie im Fluge und irgendwann zogen Wolken auf. Es wurde kalt. Wir nahmen den Abstieg in Angriff und kehrten unversehrt zum Parkplatz zurück. Schon fielen die ersten Tropfen und wir beschlossen nach Brig zu fahren. Wenig später checkten wir in einem kleinen Hotel ein, luden Hund und Bananen dort ab und gingen eine Pizza essen.

Diese Geschichte könnte nun ewig so weiter gehen und dem Leser, falls er es bis hierhin geschafft hat, würde spätestens jetzt das Gesicht einschlafen, würde ich nicht Details unserer gemeinsamen Nacht erzählen. Aber ich erinnere mich an keine. Ausser dass der Hund unter erheblichen Blähungen litt.

Es hätte eine schöne Liebesgeschichte werden können. Wurde es aber nicht. Wir waren nach unserem ersten Rendezvous am Totensee noch für ein gutes halbes Jahr verbunden. Ich reiste ein paar Mal nach Ungarn, er noch einmal in die Schweiz und wir verbrachten auch ein paar tolle Tage in Italien. Während dieser sechs Monate wurde die Scheidung des Ungarn, der übrigens Englisch sprach und nur sehr wenig Deutsch, endgültig und er zog mit seinen zwei kleinen Kindern nach Österreich. Dort verliebte er sich in ein blondes Mädchen.

Ich war sehr traurig, mochte ich ihn doch wirklich sehr. Und auch wenn sein Abgang so gar nicht stilvoll war, bin ich dankbar, ihn kennengelernt zu haben. Er hat mich zu den Bergen geführt.

2 Kommentare zu „Köszönöm szépen!

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