Köszönöm szépen!

Im Herbst treffe ich mich mit einem Ungarn. Nicht in Ungarn, sondern im Internet und dann, Wochen später, auf einem Parkplatz auf dem Grimselpass. Sein Profilbild liess keine Zweifel offen: Ein kerniger Naturbursche mit grünen Augen, längerem hellbraunem Haar und einer John Deer-Schirmmütze. Charmant lächelnd sitzt er hinter dem Steuer eines blauen Pickups und lässt seinen Arm lässig aus dem offenen Fenster hängen. Im Hintergrund ein Tannenwald und endloser blauer Himmel. Zweifellos ein kanadischer Holzfäller. Jedoch ist er Geologe und zum Zeitpunkt unseres digitalen Erstkontaktes auf Mineraliensuche in einem Steinbruch an der österreichischen Grenze.

Der Ungar kommt spätnachts auf dem Grimselpass an. Die Distanz Ungarn – Grimselpass beträgt ungefähr 10’000 Kilometer. So schläft er dann noch tief und fest auf der Ladefläche seines Pickups, als ich morgens um 8 Uhr am vereinbarten Treffpunkt am Totensee ankomme. Neben ihm liegt ein grosses Fell, welches mich neugierig und aus freundlichen Augen mustert. Das Fell gehört zu Bella, einer liebenswürdiger Leonberger Hündin. Dann erwacht der Ungar. Er mustert mich genauso neugierig aus genauso freundlichen Augen. Und ich verliebe mich an diesem schönen Morgen im Frühherbst auf dem Parkplatz vor dem Totensee gleich zweimal.

Wir haben sofort einen guten Draht zueinander. Alle drei. Und nachdem sich der Ungar auf der Toilette ein wenig frisch gemacht hat, ziehen wir los und erklimmen eine nahegelegene Bergspitze im Obergoms. Behende wie Bergziegen klettern wir über Felsen, Steine und loses Geröll und oben angekommen essen wir Bananen und Käsebrote und erzählen uns Geschichten. Die Zeit auf dem Berg vergeht wie im Fluge. Irgendwann ziehen graue Wolken auf, es wird kalt und wir beschliessen den Abstieg in Angriff zu nehmen. Schon bald fallen die ersten Tropfen und kurz nachdem wir den Parkplatz erreicht haben, giesst es in Strömen. Der Ungar lädt mich ein, den Abend mit ihm und Bella in Brig zu verbringen. Ich nehme das Angebot an.

Dies hätte eine schöne Liebesgeschichte werden können. Wir blieben nach unserem ersten Rendezvous am Totensee noch für ein gutes halbes Jahr verbunden. Ich reiste nach Ungarn, er in die Schweiz und wir verbrachten unbeschwerte Ferientage in Italien. Während dieser sechs Monate wurde die Scheidung des Ungarn vollzogen. Er siedelte um nach Österreich und verliebte sich in ein blondes Mädchen. Und auch wenn sein Abschied nicht sehr stilvoll war bin ich ihm dankbar, denn er hat meine Liebe zu den Bergen geweckt.