Synchronschreiben im Zug.

Oft werde ich gefragt, auf welchen Typ Mann ich denn eigentlich so stehe. Meine gelangweilte Antwort darauf lautet: Ich bin flexibel. Ein Blick auf meine Männer-Historie bestätigt die Richtigkeit dieser Antwort.

Katrin K. sitzt in der nächsten Reihe vis-à-vis und telefoniert. Sie sieht entspannt aus, isst eine Bretzel und spricht mit vollem Munde. Am Arm trägt sie eine Gold-Uhr, an den Fingern mehrere Ringe. Auch diese aus Gold. Einer davon gross, mit einem Stein. Ob der wohl echt ist? Eine Stunde noch bis Bern. Das Gespräch dreht sich um ein verlorenes Hörgerät. Ich glaube es ist nicht ihres, denn sie ist noch jung. Aber sie spricht trotzdem sehr laut und ich muss mithören. Jetzt redet sie von einer Hotelreservation, von Digitalisierung und Tofu. Ja, sie sieht aus wie eine Veganerin.

Bis jetzt hat mir meine Flexibilität bei der Partnerwahl nicht sehr viel Glück gebracht. Glück im Sinne von Nachhaltigkeit. Die letzten Zwei habe ich bei der Arbeit kennengelernt. Beide wurden entlassen.

Am nächsten Dienstag hat Katrin K. den ganzen Nachmittag blockiert für den Salesportfolio Update. Am Mittwoch ist sie in Bern und am Abend dann in Gümligen. Ob sie den Graved-Lachs-Typ zum Bindella-Event einladen soll? Und ob ein Mini-Wein-Tasting im Budget noch Platz hat? Nun ging die Verbindung verloren und sie trinkt einen Schluck Volvic-Eistee Zitrone und frischt jetzt gestärkt ihr Make-up auf.

Damit ich zukünftig nicht so einsilbig auf die Frage nach meinem Traum-Mann antworten muss und als Vorbereitung für eine erfolgsversprechende Weiterführung meiner Beziehungs-Historie, lege ich hier nun stichwortartig Mindestanforderungen an den zukünftigen Galan fest.

Gleicht Joel Kinnaman, Benicio del Toro und/oder Highlander.
Weisse Zähne.
Schwarzen Humor.
Wenig Ego.
Viel Fantasie.
Genug Geld.
Ausreichend Intelligenz.
Von zu Hause ausgezogen.
Gesund.
Verlässlich.
Ehrlich.
Bodenständig.
Schamlos.
Handwerklich begabt.
Flexibel.
Selbständig.
Frei.
Beherrscht Messer und Gabel.
Autofahren.
Snowboarden.
Pferde zähmen.
Bergsteigen.
Grillieren.
Englisch sprechen.
Karten lesen.
Kein Mundgeruch.
Keine Haare auf dem Rücken.
Keine Totenkopf- und Hakenkreuz-Tattoos.
Keine Socken in Sandalen.
Keine Masai-Gesundheits-Schuhe.
Keine ¾-Hosen.
Keine Hard Rock-Café-Shirts.
Keine Nasen- und Eheringe.
Keine Polo-Shirts.
Keine Victorinox-Rucksäcke.

Ist das zu viel?