Lemmy’s bestes Stück.

Lemmy Renegade nennen ihn die Eingeweihten. Sein richtiger Name ist – Irrtum vorbehalten – Fritz. Aber Fritz sieht eben aus wie Lemmy Kilmister. Und Fritz führt, mit seiner Frau und zwei Angestellten, die Metzgerei & Wursterei Gempeler in Adelboden. Was er dort jeweils in seiner Auslage präsentiert, dass lässt nicht nur mir das Wasser im Munde zusammenlaufen. Einkaufen bei Lemmy ist ein Fest für die Sinne, eine Reise erster Klasse ins Karnivoren-Paradies. Ich bin überzeugt davon: was der Lemmy anbietet, hat den Sinn des Lebens gefunden und ist glücklich gestorben. Das muss so sein, denn wie sonst könnte ein Stück Fleisch oder eine Wurst so viele Glücksgefühle auslösen, wären diese nicht von bester Qualität und mit viel Liebe verarbeitet.

In Lemmy’s Metzgerei erhält man nicht nur Fleisch, Wurst und ein freundliches Lächeln. Nebst altbewährtem Streu-mi und Oma’s liebstem Kressi-Essig, findet man auch regionalen Bergkäse, Metzger-Senf, göttliche Spätzli, himmlisches Rotkraut und eine Auswahl an auserlesenen Rums und weitere Leckereien. Was will man mehr, ausser vielleicht, dass es mehr solche Dorfmetzgereien gäbe und dafür ein paar Tonnen in jeder Hinsicht geschmacklose Massenschlachtware weniger? Wäre es nicht Tier und Mensch gleichzeitig gedient, wenn wir etwas bewusster konsumieren und dafür ein paar Fränkli mehr in ein Schweins-Kotelett aus freundlicher Tierhaltung investieren würden? Ich selbst strafe abgepacktes Grossverteiler-Fleisch schon lange mit meiner grössten Verachtung. Einzige Ausnahme: Parma-Schinken. Ja, Sünde, pfui! Aber ich kaufe immer den Echten. Den aus Parma.

Ich widme der Metzgerei Gempeler nun einen Reim. Dieser schmorte in meinem Kopf wie ein Ragout vom Weiderind.

Jedesmal wenn angekommen,
zu Fuss den Stutz ins Dorf erklommen,
dann nach rechts – zack – abgebogen,
weil magnetisch angezogen,
stampfe ich mit knurrend Magen
freudig rein in Lemmy’s Laden.

Und da liegt es nun, saftig, rot,
knochenreif und lange tot,
im Geiste regt sich pures Glück,
da liegt es nun, sein bestes Stück.

Doch liegt es nicht alleine da!
Nebst Saucisson und Cervelat,
Hobelfleisch und rohem Schinken,
Aufschnitt, Speck und Kinder-Finken,
liegen dort noch andre Sachen
die uns Alle hungrig machen:

Markbein, heiss, auf Brot geschmiert,
mit einer Prise Salz serviert.
Rinderhuft, nur kurz gebraten,
für Linienbewusste mit Salaten
oder auch ein Lamm-Gigot
und dazu ein Glas Merlot!

Unmöglich ist’s vorbeizulaufen
ohne etwas einzukaufen.
Bei mir gibts heute Bolognaise,
Fleisch vom Lemmy, auch der Käse.
Und Morgen dann, heisa juchhe!
verdau ich sie im Pulverschnee.