#meTinder.

Diese Geschichte behandelt Tinder. Und meinen Beziehungsstatus. Es gibt da einen Zusammenhang. Aber zu Beginn eine Warnung: Es werden Tinder-Profile gezeigt! Eures ist bestimmt nicht dabei und ich habe die Personen so gut als möglich unkenntlich gemacht. Aber ein wenig Fleisch am Knochen oder Hode am Mann braucht es dann doch für eine möglichst restlose Durchdringung dieses heiklen Themas.

Ich bin single. Ein Fräulein. Junggesellin. Das wissen die Meisten die mich kennen oder meinem Blog folgen. Nein, das soll euch jetzt nicht traurig stimmen und keinesfalls verwirren. Single sein ist voll okey. Mir geht es gut. Wirklich. Ich habe mir ein kleines Kalbskotelett 350 gr. mit Süsskartoffel-Schnitzchen und Quoten-Gemüse zubereitet und ein Gläschen Rotwein steht in greifbarer Nähe. Neben dem Gläschen steht natürlich auch ein Fläschchen. Es dudelt Musik meines bevorzugten Radiosenders, das Licht meiner Arco-Stehleuchte ist stark gedimmt, ein Kerzlein brennt und ich lounge total bequem in meinem Sessel, geniesse den Rundblick in meine Wohnung unter dem Dach. Ein wahrer Glücksmoment. Ob ich diesen gerne mit jemandem, vorzugsweise einem Mann, teilen möchte? Klar doch! Leidenschaftlicher Sex zur Verdauung? Sofort! Danach gemeinsam die Knochen abnagen? Keine Frage! Nur woher den Mann nehmen? Und wäre es dann noch der selbe Glücks-Moment?

Doch halt, nun gehts ja um Tinder. Für all diejenigen, welchen zu Tinder nichts einfällt: Tinder (dt. Zunder) ist eine App die zum Ziel hat, das Kennenlernen von notgeilen Menschen in der näheren Umgebung zu erleichtern. Sie wird zur Anbahnung von Dreiern, ONS (One Night Stands) oder zum Knüpfen von echt langfädigen Chat-Stricken verwendet. Das läuft dann so:

„Hallo“
„Salut“
„Wo wohnst du?“
„Schwaderloch.“
„Wo ist das?“
„Aargau.“
„Windet es bei euch auch so stark?“
„Ja, megakrass.“
„Bist du single?“
„Ja, geschieden, habe aber einen Hund. Hast du auch Tiere?“
„Ja, Filzläuse, brauchen auch regelmässig Auslauf.“
… usw.

Ein Tinder-Profil konnte man bis vor Kurzem ausschliesslich via Facebook anlegen. Name, Geschlecht, Beruf, Ausbildung und Profilbild werden automatisch übernommen. Und auch sonst noch ganz viele Daten, welche für den Algorithmus und den zukünftigen Arbeitgeber sehr wichtig sind. Für die Erstellung des Profils können Bilder und Videos hochgeladen sowie eine auf 150-Zeichen begrenzte Charakterstudie erfunden werden. Minimalisten beschreiben ihre Persönlichkeit stichwortartig oder gar nicht und ergänzen das Ganze visuell, mit Emojis. Zusätzlich ist eine Verknüpfung des Instagram-Accounts und die Einbindung des Lieblingsmusikstücks möglich. Der Kreativität sind somit fast keine Grenzen gesetzt, ausser diejenigen des eigenen Intellekts.

Und dann mögen die Spiele beginnen! Startet man das Tinder-Feuerchen, werden alle Profile angezeigt, die dem selbstgewählten Filter (Geschlecht, Alter, KM-Radius) entsprechen. Mittels swipen (weltweit 1,4 Milliarden Swipes pro Tag) werden die Profile geliked, gesuperliked oder weggedrückt. Wenn das gelikte Profil den Swipenden auch geliked hat, ergibt das einen Match, man kann mit dem Profil kommunizieren. Und zwar auf dem tindereigenen Chat, welcher von der NSA mitgelesen wird.

Und wen und was trifft man da so auf Tinder?

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Ergänzend dazu findet man auch Anbieter von diversen (Gratis)-Dienstleistungen wie Tantra-Massagen, Akt-Fotografie, Portrait-Malerei, Stoffpony-Reiten, etc.

Tinder macht mich immer wieder von Neuem ein wenig sprachlos, wenn ich nicht gar daran verzweifeln könnte, denn es drängt sich mir die Frage auf: Sind das nun die Fische in meinem Ozean? Die Tiere in meiner Wildnis? Die Männer, mit welchen ich meinen wahren Glücksmoment teilen möchte?

Diese Geschichte endet hier. Nicht jedoch mein Single-Dasein. Ich werde es noch ein wenig geniessen. Und dann, wenn die Zeit reif ist, schwimmt ein Hecht unter mein Eisloch und ich fange ihn. Und breche ihm das Genick. Lege ihn in meinen Kescher. Hach, ihr wisst schon …