Schwaderloch, we like.

Liebes Schwaderloch, bis vergangenen Samstag warst du mir gänzlich unbekannt. Aus unerklärlichen Gründen habe ich dich jedoch intuitiv dem Kanton Aargau zugeordnet. Obwohl du auch in der Ostschweiz sein könntest. Wenn man sich die Nase zuhält und Schwaderloch laut ausspricht, dann würde das echt ganz gut passen.

Also: Schwaderloch ist eine Gemeinde im Aargau und wird gemäss einer Statistik aus den Jahr 2008 von 666 (!) Personen bewohnt.

Bildschirmfoto 2018-01-15 um 09.49.00

Teuflisch ist auch das Logo (Assoziationen mit einem brennenden grünen Hundekot dürfen der Autorin nicht übel genommen werden). Schwaderloch liegt am Hochrhein, nahe an der Grenze zu Deutschland, hat eine Beiz, einen subventionierten Taxi-Service und 13 (!) Vereine. Einer davon ist der Pontonierbootfahrverein. Warum ich das weiss? Weil 17 Mitglieder des Pontonierbootfahrvereins Schwaderloch, an eben diesem Samstag in Adelboden einfielen. Und zwar ins Restaurant Alte Taverne, in welchem meine gute Freundin L. und ich uns zu einem gemütlichen Abendessen verabredet hatten.

Wir wurden an ein schnuckeliges 2er-Tischli im kleinen, heimeligen, fellbestuhltem Holz-Stübli platziert wo uns Oliver, möglicherweise Medizinstudent aus Basel, äusserst zuvorkommend begrüsste, die Karte reichte und einen Wein empfahl. Es war friedlich, wir schlürften unseren Apéritiv und freuten uns über den schönen Abend. Wir amüsierten uns über den Schrecken der einem Mitglied der holländischen Familie am Tisch hinter uns widerfuhr, als ihm ein Meringue von der Grösse eines kleinen Einfamilienhauses serviert wurde. Noch lustiger war, dass die Holländer noch während der Auseinandersetzung mit dem Meringue zum Aufbruch angehalten wurden, weil der Tisch ab 20 Uhr vergeben war. Die Holländer brachen auf, es wurden Tische gerückt und neu aufgedeckt. Wir waren plötzlich allein im Stübli und assen Salat aus einer Schüssel. Und da passierte es: Die Vorhut der Kavallerie stolperte ins Sääli, bunt gekleidet und mit Skischuhen an den Füssen. Als der Entsandte sich dann schwankend seines Schuhwerks entledigte und an einen der langen Tische hinter uns setzte, wo er sich selbst laut die Speise-Karte vorlas, da wurde uns schlagartig bewusst, dass nichts mehr so sein würde wie erwartet.

Der Einfall der Kavallerie passierte eine Viertelstunde später und war wie ein Erdrutsch, eine menschliche Dachlawine. Anstatt auf Pferden galoppierten die Krieger in Skischuhen aufs Schlachtfeld. Und dann war das Stübli voll. 17 Pontonierbootfahrer aus Schwaderloch, Hebamme L. und meine Wenigkeit. Und der Abend nahm eine jähe Wendung.

Währenddessen hat uns ein langsam etwas besorgter Oliver unsere Hauptspeisen serviert. Und seine Sorgen wurden nicht kleiner, als sich ein beinahe 2 Meter grosser Pontonierbootpilot aus Schwaderloch neben der ca. 50 cm kleineren L. auf das enge Bänkli quetschte und neugierig Fragen zu ihrer Herkunft und ihren Hobbies stellte. Nicht schlecht hat er gestaunt als er erfuhr, dass die kleine, feingliedrige L. berufsmässig Kindern auf die Welt hilft und noch mehr staunte er ob der Tatsache, dass L. selbst gar keine Kinder hat. Wie geht denn das? Dann erschrecktes Erstarren, leise kehlige Grunzlaute und totale Verständnislosigkeit bei Bekanntgabe dass L. und ich single sind. Lange Erläuterungen unsererseits dazu werden eingefordert. Und so ging es hin und her und auch wir erfuhren viel, zum Beispiel über die eigenartigen Fernseh-Gewohnheiten der Schwaderlocher. Um 2 Uhr Morgens, als DJ Nell zur Höchstform auflief, beschlossen wir uns von den Schwaderlochern zu verabschieden und den Heimweg anzutreten.

Ich muss hier, auch im Namen von L., den Schwaderlochern ein Kränzchen winden. Sie haben sich total anständig verhalten, was für ein „Hodenball“ dieser Dimension keine Selbstverständlichkeit ist. Es fielen keine ordinären, anzüglichen, #metoo-verdächtigen oder anderweitig unflätige Sprüche. Wir haben uns mit und über die fremde Macht bestens amüsiert. Wir wurden Zeugen ausserordentlicher Gesangskünste und haben so Einiges über den Pontonierbootsport erfahren. Und wir durften miterleben wie die scheintote Vorhut, die zwischenzeitlich am Tisch ein Nickerchen machte, wieder zu plötzlichem Leben erwachte und 4 vollständige, sinnvolle Sätze sprach.

Wir werden Schwaderloch irgendwann einmal die Ehre geben. Ganz bestimmt!

2 Kommentare zu „Schwaderloch, we like.

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