Für Adelboden.

Liebes Adelboden,
ich mag dich. Du bist Ferienort meines Vertrauens, Geburtsstätte meines Ich 2.0 und seit ich dich kenne, geht es stetig bergauf. Vor ungefähr 10 Jahren besuchte ich dich das erste Mal. Es war Winter und ich brachte Skier und Freunde mit. Wir hatten eine gute Zeit. Danach blieb ich dir einige Jahre lang fern, bis ich mich im August letzten Jahres dazu entschied, eines der kalten Betten zu wärmen. Und mit jedem zusätzlichen Tag, welchen ich bei dir verbringe, mag ich dich ein wenig mehr. Ich erwandere deine Höhen und Tiefen, rutsche auf deinen Pisten herum, klammere mich an deine Felsen und kaufe mein Fleisch beim Dorf-Metzger, der aussieht wie Lemmy von Motörhead.

Wenn ich meinen Freunden von dir erzähle, dann rufen sie meist: Adelbode-Länk dänk! Oder sie fragen, ob ich denn das „Vogu-Lisi“ schon einmal getroffen hätte. Viel mehr wissen sie nicht von dir, nur Wenige kennen deinen wahren Charakter. Du bist anders, liebes Adelboden. Deine Bewohner sind herzlich und auf den zweiten Blick freundlich, aufmerksam, bodenständig aber auch neugierig und manchmal ein wenig verschroben. Sie schauen sehr genau hin und Grüssen mit einem verschwörerischen Nicken oder heben kurz die Hand vom Steuer. Jeder kennt jeden.

Einmal auf der Fahrt zurück vom Gody-Lift, an welchem ich als einzige Erwachsene mit meinem Snowboard die ersten Rutschversuche der Saison machte, hält mich bei der Kirche ein älterer Landwirt an. Er ist bestimmt ein Landwirt. Unrasiert steckt er in einem Schianzug, welcher die letzten 40 Jahre bestens überstanden hat. Er steht neben der Kirche und winkt mir zu. Nicht zum Grusse, das wird mir sofort klar. Ein medizinischer Notfall vielleicht, etwas mit dem Herz? Oder will er mich bekehren? Eine Verwechslung? Ich bremse skeptisch und lasse die Scheibe herunter. Doch er fragt mich nur, ob er bis ins Dorf mitfahren dürfe. So läuft das hier. Wäre ich ins Dorf gefahren, hätte ich ihn mitgenommen.

Liebes Adelboden, dank dir besinne ich mich auf Werte, die ich in den letzten Jahren ein wenig aus den Augen verloren habe. Und auch wenn ich kein Teil deiner Dorfgemeinschaft bin ist es schön zu erfahren, dass du dieses gemeinschaftliche Denken mit einer absoluten Selbstverständlichkeit lebst. Das gefällt mir.
Adelboden, I like!