Für Adelboden.

Liebes Adelboden

Ich mag dich. Du bist der Ferienort meines Vertrauens, die Geburtsstätte meines Ich 2.0 und seit ich dich kenne, geht es mit mir stetig bergauf. Ich glaube es war vor ungefähr 10 Jahren als wir uns kennenlernten. Ich habe dich sofort gemocht. Es war Winter, ich kam mit meinen Skis und meinen Freunden. Wir hatten eine gute Zeit. Dann kam ich dich lange nicht mehr besuchen. Bis im Frühling vor 4 Jahren. Und da wurde mir schlagartig bewusst dass ich dich besser kennenlernen möchte. Und nun, seit August dieses Jahres, bin ich dir ganz nah. Und mit jedem zusätzlichen Tag welchen ich bei dir verbringe, mag ich dich ein wenig mehr. Ich erwandere deine Höhen und Tiefen, rutsche mit dem Snowboard auf deinen Pisten herum, wärme sogar eines deiner vielen kalten Betten und kaufe in deinen Geschäften ein.

Wenn ich meinen Freunden von dir erzähle, dann assoziieren sie dich spontan mit dem Slogan „Adelbode-Länk dänk“ oder der Figur „Vogel-Lisi“*. Viel mehr wissen sie nicht von dir. Ausser natürlich, dass du im Berner Oberland liegst. Nur Wenige kennen deinen wahren Charakter.

Auch ich weiss noch nicht so viel von dir. Du bis anders, Adelboden. Deine Bewohner sind herzlich und freundlich (vielleicht nicht auf den ersten Blick), aufmerksam, bodenständig aber auch neugierig und manchmal ein wenig verschroben. Geübte Beobachter die sehr genau hinschauen und verschwörerisch nicken beim Grüssen. Jeder kennt jeden. Eine Dorfgemeinschaft mit einem Metzger, der aussieht wie Lemmy Kilmister.

Einmal auf der Fahrt zurück vom Gody-Lift, an welchem ich mit meinem neuen Snowboard die ersten Rutschversuche dieser Saison machte, hielt mich bei der Kirche ein älterer Landwirt in einem noch älteren Skianzug an. Ich war total verwirrt, dachte als Erstes an einen medizinischen Notfall, drive-through-Bekehrung, Attacke eines Alkoholikers. Doch der Mann fragte nur ob er bis ins Dorf mitfahren dürfe. So läuft das hier. Wäre ich ins Dorf gefahren, hätte ich ihn mitgenommen.

Liebes Adelboden, dank dir besinne ich mich auf Werte welche mir in den letzten Jahren ein wenig abhanden gekommen sind. Und auch wenn ich kein Teil deiner Dorfgemeinschaft bin und es wohl auch nie sein werde (denn du bist sehr wählerisch), ist es schön zu erfahren, dass du dieses gemeinschaftliche Denken mit einer absoluten Selbstverständlichkeit lebst. Das gefällt mir.

Adelboden, I like!

*Je nach nach Alter, Frömmigkeit und Blutalkoholgehalt der erklärenden Person war

  • das Vogel-Lisi eine Kräutersammlerin in ständiger Begleitung eines Rabens, die eines Tages beim Muttechölm-Sammeln s’Loch abstürzt und stirbt. Der Rabe stirbt auch. Obwohl er ja eigentlich hätte Fliegen können, oder?
  • das Vogel-Lisi eine knackige Busle (Holländerin, grosse Brüste vermutlich) mit Fotoapparat und zwielichtigem Charakter, die sich mit ihrer Kamera durch die Adelbodner-Nachtclubs knipste. Bei der Eröffnung der Alten Taverne, kurz nachdem sie in die Gaststube stolpert, widmet ihr das dort auftretende Duo Meise einen Sponti-Song.

Das Vogellisi-Lied wurde übrigens auch von DJ Ötzi interpretiert. Und es gibt den Vogellisi-Lauf, die Vogellisi-Bar, das Vogellisi-Openair, den Vogellisi-Blog und vermutlich noch ganz viel vogellisigs mehr.